Grenzen eines Qualitätswettbewerbs der stationären Versorgung in Deutschland: eine Analyse aus den Daten des Bundes-Klinik-Atlas

Den Krankenhäusern in Deutschland wird gerne eine Über- und Fehlversorgung durch unnötige Leistungen und überflüssige Standorte unterstellt. Treiber dieser Annahme sind Themen wie Ambulantisierung und Zentralisierung. Kaum betrachtet wird hingegen eine Unterversorgung, die nicht nur im Fehlen von Ka...

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Main Authors: Prof. Dr. med. Jürgen Stausberg, Thomas Jungen, Prof. Dr. med. Michael Karaus, Dr. med. Guido Lerzynski MSc MBA
Format: Article
Language:deu
Published: eRelation AG 2025-08-01
Series:Monitor Versorgungsforschung
Subjects:
Online Access:https://www.monitor-versorgungsforschung.de/abstract/grenzen-eines-qualitaetswettbewerbs-der-stationaeren-versorgung-in-deutschland-eine-analyse-aus-den-daten-des-bundes-klinik-atlas/
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Summary:Den Krankenhäusern in Deutschland wird gerne eine Über- und Fehlversorgung durch unnötige Leistungen und überflüssige Standorte unterstellt. Treiber dieser Annahme sind Themen wie Ambulantisierung und Zentralisierung. Kaum betrachtet wird hingegen eine Unterversorgung, die nicht nur im Fehlen von Kapazitäten, sondern auch im Mangel an Wettbewerb verschiedener Standorte bestehen kann. Ein Wettbewerb um die besten Ergebnisse wäre jedoch ein starker Treiber zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung. Aus Daten des Bundes-Klinik-Atlas wurden daher der Wettbewerb für typische Behandlungsanlässe, die Möglichkeit einer Eskalation der Notfallstufe sowie regionale Alternativen bei besonderen Ansprüchen untersucht. Hierzu wurde ein Umkreis von 20, 30 und 50 Kilometern um jeden Standort gebildet. Für fast 30% aller Behandlungsanlässe fehlte zu einem Standort ein Wettbewerber. Hierbei zeigten sich starke regionale Unterschiede zwischen dicht besiedelten Regionen wie Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen mit fast durchgängigem Wettbewerb und östlichen Flächenländern mit einem Überwiegen der Standorte ohne alternative Anbieter. Eine Eskalation der Notfallstufe wäre bei über 90% (von 1 auf 2 oder 3) oder fast 80% (von 2 auf 3) der Standorte möglich gewesen, sofern die Behandlungssituation dies erfordert hätte. Eine Mitversorgung durch benachbarte Länder war insbesondere bei Notfällen in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein relevant (bei Eskalation von 2 auf 3). Überwiegend fanden sich alternative Standorte für zertifizierte Einrichtungen. Der Anteil der Standorte ohne Wettbewerb war jedoch in der Onkologie stark von der Entität abhängig, niedrig bei Brust- und Darmkrebs, hoch bei Magen- und Harnblasenkrebs. Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass in Deutschland weder für regionale Aspekte noch für Behandlungsanlässe gleichwertige Lebensverhältnisse in der Gesundheitsversorgung bestehen, insbesondere dann, wenn ein Wettbewerb um Qualität betrachtet wird. Die Diskussion um eine Beseitigung möglicher Über- und Fehlversorgung bei stationären Leistungen ist daher dringend um den Aspekt des Aufbaus zusätzlicher Kapazitäten zum Ausgleich einer Unterversorgung zu ergänzen.
ISSN:1866-0533
2509-8381