Luftgestützte Insektizid-Behandlungen gegen phyllophage Forstschadinsekten in Bayern seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs
Der integrierte Pflanzenschutz ist seit 1987 ein zentraler Leitgedanke im deutschen Pflanzenschutzrecht. Demnach sind chemische Pflanzenschutzmittel (PSM) nur als letztes Mittel der Wahl einzusetzen und auf das notwendigste Maß zu beschränken. In den Waldschutzgrundsätzen der Bayerischen Staatsfors...
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| Main Authors: | , , |
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| Format: | Article |
| Language: | deu |
| Published: |
Julius Kühn-Institut
2025-04-01
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| Series: | Journal für Kulturpflanzen |
| Subjects: | |
| Online Access: | https://ojs.openagrar.de/index.php/Kulturpflanzenjournal/article/view/17591 |
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| Summary: | Der integrierte Pflanzenschutz ist seit 1987 ein zentraler Leitgedanke im deutschen Pflanzenschutzrecht. Demnach sind chemische Pflanzenschutzmittel (PSM) nur als letztes Mittel der Wahl einzusetzen und auf das notwendigste Maß zu beschränken. In den Waldschutzgrundsätzen der Bayerischen Staatsforstverwaltung war dieser Gedanke schon zuvor Tradition. Ein eigentümer- und/oder bestandesübergreifender Einsatz von PSM gegen nadel- und blattfressende Insekten, der stets über Luftfahrzeuge erfolgt, ist heutzutage die Ausnahme. Darüber, wie sich dies in der Vergangenheit verhielt, ist nur wenig publiziert. Die vorliegende Untersuchung setzt sich daher mit historischen Entwicklungen in der Ausbringungspraxis von Insektiziden über den Wäldern Bayerns seit Ende des zweiten Weltkriegs auseinander. Aus Literatur- und Archivmaterial konnte rekonstruiert werden, dass sich die Insektizid-Einsätze aus der Luft in vier zeitliche Phasen unterteilen lassen: Von 1947 bis 1962 gab es zahlreiche Befliegungen von überwiegend Nadelholzbeständen mit DDT. Im Anschluss folgte von 1963 bis 1977 eine Periode mit nur wenigen und kleinflächigen Behandlungen. Die sporadischen Behandlungen dieser Zeit galten ebenfalls überwiegend Nadelholzbeständen. In diesen Abschnitt fällt auch die wesentliche DDT-Einschränkung im Wald von 1971 und das DDT-Verbot im Wald im Jahr 1972. In den folgenden Jahren wurden „DDT-Ersatzstoffe“ gesucht und dabei verschiedene Wirkstoffe getestet. Im Jahr 1976 wurde mit Dimilin® ein PSM zugelassen, das wachstumsregulierend auf Insekten einwirkte. Dieses Mittel dominierte die weiteren PSM-Applikationen aus der Luft in Bayern. So kam es im Folgezeitraum zwischen 1978 und 1998 mit der hauptsächlichen Verwendung von Dimilin zum überwiegenden Einsatz eines Wachstumsreglers, als man kontinuierlich Behandlungen von Nadel- und Laubholzschadinsekten durchführte. In dem Zeitabschnitt ab 1999 wurden für den Insektizid-Einsatz aus der Luft ebenfalls überwiegend Wachstumsregler genutzt. Die Mittelausbringungen finden seitdem aber nur periodisch und ausschließlich in Eichenbeständen statt.
Summiert man die Flächen aller in Bayern im betrachteten Zeitraum getätigten Behandlungen phyllophager Insekten aus der Luft auf und sortiert diese nach Organismen, so steht die Behandlungsfläche gegen den Schwammspinner (Lymantria dispar) mit 38.300 ha an erster Stelle. Darauf folgen die Nonne (Lymantria monacha) mit 32.900 ha und die beiden Arten Fichtengespinstblattwespe (Cephalcia abietis) und Forleule (Panolis flammea) mit jeweils ca. 18.250 ha.
Seit 1947 wurden in Summe 141.176 ha Waldfläche mit Pflanzenschutzmitteln gegen blatt- und nadelfressende Insekten behandelt. Dies entspricht 5,4 % der heutigen Gesamtwaldfläche Bayerns beziehungsweise einer jährlichen Befliegungsrate von 0,07 %.
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| ISSN: | 1867-0911 1867-0938 |