How to Get Away with Murder? Ciceros Pro A. Cluentio Habito als Kriminalfall mit erbrechtlichen Implikationen

 Im Jahre 66 v. Chr. übernahm Cicero die juristische Vertretung des Cluentius Habitus minor, der beschuldigt worden war, seinen Stiefvater Oppianicus maior ermordet zu haben. In dieser Studie geht es um Strategien der Kontingenzbewältigung und des Zukunftshandelns in Bezug auf Testamente und im Rah...

Full description

Saved in:
Bibliographic Details
Main Author: Elena Köstner, EK
Format: Article
Language:deu
Published: Università degli Studi di Torino 2022-06-01
Series:Ciceroniana On Line
Online Access:https://www.ojs.unito.it/index.php/COL/article/view/6868
Tags: Add Tag
No Tags, Be the first to tag this record!
_version_ 1849711141063753728
author Elena Köstner, EK
author_facet Elena Köstner, EK
author_sort Elena Köstner, EK
collection DOAJ
description  Im Jahre 66 v. Chr. übernahm Cicero die juristische Vertretung des Cluentius Habitus minor, der beschuldigt worden war, seinen Stiefvater Oppianicus maior ermordet zu haben. In dieser Studie geht es um Strategien der Kontingenzbewältigung und des Zukunftshandelns in Bezug auf Testamente und im Rahmen einer Verteidigungsstrategie vor Gericht, wobei Pro A. Cluentio Habito die Ausgangslage darstellt. Wenn Kontingenz als das Mögliche oder Alternative zur existenten Wirklichkeit verstanden werden kann, dann sind Strategien der Kontingenzbewältigung und des Zukunftshandelns als dasjenige Tun zu erachten, das vorwegnehmend einzelne Handlungen koordiniert, Handlungsoptionen reduziert und auf diese Weise zukünftiges Handeln erwartbarer macht. In diesem Sinne kann ein Testament als Plan des Erblassers*der Erblasserin für eine Zukunft ohne ihn*sie verstanden werden, d.h. er*sie trifft Vorkehrungen und Vorsorge für Familienangehörige und Freund*innen. Einem Gerichtsverfahren adäquat begegnen zu können, bedarf ebenso eines Plans im Sinne einer Strategie, um die Argumente der Anklage zu entkräften, die beschuldigte Person ins rechte Licht zu rücken und eine*n alternative*n Tatverdächtige*n zu präsentieren. Diese beiden eben skizzierten Ebenen sind in der Gerichtsrede untrennbar miteinander verwoben, stand doch mit dem erhobenen Vorwurf des Mordes an Oppianicus maior der Habitus der involvierten Personen besonders im Fokus. Cicero evoziert in verschiedenen Schriften, dass für ihn die voluntas testatoris unbedingt zu erfüllen sei, auch wenn diese nicht immer konform ging mit den Gesetzen. Ein derartiges, selbst auferlegtes Prinzip bot Orientierung und zeugte gleichzeitig von pietas gegenüber dem*der Erblasser*in.
format Article
id doaj-art-655b6343e7f742829d6c78ecebf64b2f
institution DOAJ
issn 2532-5299
2532-5353
language deu
publishDate 2022-06-01
publisher Università degli Studi di Torino
record_format Article
series Ciceroniana On Line
spelling doaj-art-655b6343e7f742829d6c78ecebf64b2f2025-08-20T03:14:42ZdeuUniversità degli Studi di TorinoCiceroniana On Line2532-52992532-53532022-06-016110.13135/2532-5353/6868How to Get Away with Murder? Ciceros Pro A. Cluentio Habito als Kriminalfall mit erbrechtlichen ImplikationenElena Köstner, EK  Im Jahre 66 v. Chr. übernahm Cicero die juristische Vertretung des Cluentius Habitus minor, der beschuldigt worden war, seinen Stiefvater Oppianicus maior ermordet zu haben. In dieser Studie geht es um Strategien der Kontingenzbewältigung und des Zukunftshandelns in Bezug auf Testamente und im Rahmen einer Verteidigungsstrategie vor Gericht, wobei Pro A. Cluentio Habito die Ausgangslage darstellt. Wenn Kontingenz als das Mögliche oder Alternative zur existenten Wirklichkeit verstanden werden kann, dann sind Strategien der Kontingenzbewältigung und des Zukunftshandelns als dasjenige Tun zu erachten, das vorwegnehmend einzelne Handlungen koordiniert, Handlungsoptionen reduziert und auf diese Weise zukünftiges Handeln erwartbarer macht. In diesem Sinne kann ein Testament als Plan des Erblassers*der Erblasserin für eine Zukunft ohne ihn*sie verstanden werden, d.h. er*sie trifft Vorkehrungen und Vorsorge für Familienangehörige und Freund*innen. Einem Gerichtsverfahren adäquat begegnen zu können, bedarf ebenso eines Plans im Sinne einer Strategie, um die Argumente der Anklage zu entkräften, die beschuldigte Person ins rechte Licht zu rücken und eine*n alternative*n Tatverdächtige*n zu präsentieren. Diese beiden eben skizzierten Ebenen sind in der Gerichtsrede untrennbar miteinander verwoben, stand doch mit dem erhobenen Vorwurf des Mordes an Oppianicus maior der Habitus der involvierten Personen besonders im Fokus. Cicero evoziert in verschiedenen Schriften, dass für ihn die voluntas testatoris unbedingt zu erfüllen sei, auch wenn diese nicht immer konform ging mit den Gesetzen. Ein derartiges, selbst auferlegtes Prinzip bot Orientierung und zeugte gleichzeitig von pietas gegenüber dem*der Erblasser*in. https://www.ojs.unito.it/index.php/COL/article/view/6868
spellingShingle Elena Köstner, EK
How to Get Away with Murder? Ciceros Pro A. Cluentio Habito als Kriminalfall mit erbrechtlichen Implikationen
Ciceroniana On Line
title How to Get Away with Murder? Ciceros Pro A. Cluentio Habito als Kriminalfall mit erbrechtlichen Implikationen
title_full How to Get Away with Murder? Ciceros Pro A. Cluentio Habito als Kriminalfall mit erbrechtlichen Implikationen
title_fullStr How to Get Away with Murder? Ciceros Pro A. Cluentio Habito als Kriminalfall mit erbrechtlichen Implikationen
title_full_unstemmed How to Get Away with Murder? Ciceros Pro A. Cluentio Habito als Kriminalfall mit erbrechtlichen Implikationen
title_short How to Get Away with Murder? Ciceros Pro A. Cluentio Habito als Kriminalfall mit erbrechtlichen Implikationen
title_sort how to get away with murder ciceros pro a cluentio habito als kriminalfall mit erbrechtlichen implikationen
url https://www.ojs.unito.it/index.php/COL/article/view/6868
work_keys_str_mv AT elenakostnerek howtogetawaywithmurdercicerosproacluentiohabitoalskriminalfallmiterbrechtlichenimplikationen