„Revolution“ in der Bildung: Frauen an die Universitäten (2. Hälfte 19. Jh. bis zum 1. Weltkrieg)

Dass zwei weibliche Studenten in einem Proseminar sitzen und im Zuge dessen eine derartige Arbeit schreiben, ist nicht selbstverständlich. Denn bis weit in das 19. Jh. waren gebildete und sich bildende Frauen die große Ausnahme. Doch im Zuge eines lang andauernden Prozesses, dessen Ende auch heute n...

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Main Authors: Johanna Luggin, Barbara Denicolò
Format: Article
Language:deu
Published: Innsbruck University Press (IUP) 2009-03-01
Series:Historia.scribere
Subjects:
Online Access:https://webapp.uibk.ac.at/ojs2/index.php/historia_scribere/article/view/2362
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Barbara Denicolò
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description Dass zwei weibliche Studenten in einem Proseminar sitzen und im Zuge dessen eine derartige Arbeit schreiben, ist nicht selbstverständlich. Denn bis weit in das 19. Jh. waren gebildete und sich bildende Frauen die große Ausnahme. Doch im Zuge eines lang andauernden Prozesses, dessen Ende auch heute noch nicht in Sicht ist, wurden viele der althergebrachten Anschauungen Schritt für Schritt revidiert. Kann man diesbezüglich also von einer „Revolution“ in der Bildung sprechen? Das digitale Lexikon Encarta aus dem Jahre 2003 definiert eine Revolution „als Bruch mit einer überkommenen politisch-sozialen Ordnung“, unter anderem gekennzeichnet durch die „Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten [...] unter Ausbruch offener Gewalt in einem konzentrierten Zeitrahmen“(1). Laut dieser Definition tun sich gewisse Vorbehalte auf, will man wirklich von einer Revolution sprechen: Denn der Zugang der Frauen zur Bildung war kaum ein Bruch mit, sondern ein langsames Vorgehen gegen überkommen erscheinende Ordnungen und Vorurteile, oft nur ein Umgehen derselben und ein „aus dem Weg gehen“ ohne Gewalt und offenen Widerstand. Es war kein auf eine kurze Zeit begrenztes Ereignis, sondern ein unermüdlicher Prozess des arbeitsamen, fleißigen sich Beweisens, gegenüber anderen und vor allem sich selbst. Der Begriff „Revolution“ impliziert viel zu sehr einen abgeschlossenen Vorgang, der bereits in die Geschichtsbücher eingegangen ist und ad acta gelegt wurde. Doch es war kein einmaliger Vorgang, sondern Teil eines langen, schwierigen und vor allem vielschichtigen gesellschaftlichen Umbruchs, zu dem viele kleine Schritte von Nöten waren. Die Öffnung der Hochschulen für Frauen stellt dabei nur die Spitze dieses Eisberges dar, hat zudem eine lange und komplizierte Vorgeschichte aufzuweisen und ist noch immer nicht abgeschlossen. Daher erscheint der Begriff „Evolution“ wohl angebrachter. Diese Arbeit soll nun, bezugnehmend auf den deutschen Sprachraum, den sozialen und rechtlichen Rahmen dieses Prozesses und seinen Ablauf darlegen, sowie die zahlreichen Hindernisse, die es zu überwinden galt. Schließlich soll auch noch ein Blick auf die kurz- bis mittelfristigen Folgen geworfen werden, um das Ausmaß und die Wichtigkeit besser verstehen zu können. (1)Zitiert nach: Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2003, 1993-2002 Microsoft Corporation.
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